Stefan Pfeiffer / Gestern, Morgen und nicht Heute @ Galerie Kai Erdmann, Hamburg [vom 16. bis 29. Juni]

Stefan Pfeiffer / Gestern, Morgen und nicht Heute


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16. - 29.
Juni
18:00 - 16:00

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Galerie Kai Erdmann
Klosterwall 4, 20095 Hamburg
Stefan Pfeiffers Malerei wirkt völlig losgelöst von einer konkreten bildlichen Vorstellung. Der Künstler reduziert die Farbigkeit in seinen neuen Arbeiten nahezu vollständig auf Schwarz, Weiss, Grau- und Blauwerte. Nur bei genauerer Betrachtung lassen sich stellenweise versteckte Schlieren blasser, weiterer Farbe erkennen.

Im Gegensatz zu seinen bis Anfang des Jahres entstandenen „Hautfarb“Arbeiten, entfällt in seiner Ausstellung Gestern, Morgen und nicht Heute die durch Farbe ausgelösten Assoziationskette. Bildtiefe sowie -inhalt bleiben unkonkret. Stellenweise verdichten sich die mittels Akkuschrauber aufgetragenen Materialschichten zu Haufen oder Schwärmen, andernorts bleibt die Malerei offen und licht.

Ein direkter Vorläufer dieser Arbeiten ist aktuell in der Ausstellung nervous gender im Oldenburger Kunstverein zu sehen und trägt den Titel Sky Gazing. Er verweist inhaltlich auf Pfeiffers Interesse an der Dzogchen Tradition, des tibetischen Buddhismus. Hier blickt der Praktikant über einen längeren Zeitraum bewegungslos, mit geöffneten Augen in den Himmel und entlässt aufkommende Gedanken, Spannungen und Gefühle. In den Advanced Dzogchen Core Instructions heisst es dazu: „Sky gazing is Integration into space and the integrating of one's awareness with the sky.“

Die Malerei erinnert aus der Entfernung tatsächlich an wolkige Kompositionen. Aus der Nähe betrachtet entstehen Amplituden, die an Quantenfelder oder die Aufzeichnungen einer Elektroenzephalografie erinnern. Inmitten am Boden herumliegender blauer Stofffetzen ruhen diese Arbeiten auf leeren Metalldosen. Sie wirken wie Transportrollen und scheinen dem statischen Bildträger eine Bewegung zu ermöglichen. Es bleibt allerdings offen, was genau am Beobachter vorbei ziehen sollte oder könnte.

Die einzige figurative Malerei der Ausstellung erinnert an die bizarre Geschichte des kopflosen Hahns Mike aus den USA. Das Tier das, nach seiner Enthauptung 1940 in Colorado durch den Farmer Lloyd Olsen, noch weitere 18 Monate weiterlebte verkam zur finanziell einträglichen Miracle Mike Rummelattraktion. Teile des verbliebenen Stammhirns regelten weiterhin die lebenswichtigen Funktionen des Organismus.

Der gemalte Hahn wird hier zum Andachtsbild, inklusive Gebetsschal und Hühnerring und spielt ironisch auf den Verlust der Ich- Identifikation an. Die Enthauptung wird symbolische Befreiung und Loslösung, die totale Abkopplung.

In diesem Sinne: Augen auf und das Dazwischen fokussieren.
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